Das Museum

Onlinekatalog der außereuropäischen Musikinstrumente des Museums

Fragen der Datierung

Die Mehrzahl der Instrumente ist unsigniert. Schriftzeichen und Signaturen finden sich an einer persischen Tar (Inv.-Nr. 2212) sowie an einem Teil der ostasiatischen Instrumente. Bei den unsignierten Instrumenten erweist sich die Datierung oftmals als problematisch, da deren Bauart meist über Jahrhunderte hinweg konstant blieb. Immerhin zeigen viele Exponate der →Sammlung Kraus bzw. →Sammlung von der Gabelentz deutliche Gebrauchsspuren und Abnutzungserscheinungen. Da sie bereits Mitte bis Ende des 19. Jh. erworben worden waren, kann auf eine Entstehungszeit um 1850 oder früher geschlossen werden. Beweisen lässt sich diese Annahme anhand dreier signierter Instrumente: Bei einer chinesischen Zither Guqin (Inv.-Nr. 2363) verrät die Inschrift das Jahr 1752 als Entstehungsdatum; an einer weiteren Guqin (Inv.-Nr. 2345) findet sich das Jahr 1828. Ein japanisches Becken-Paar Dobatsu (Inv.-Nr. 2446/7) war laut Gravur ausdrücklich für den Gebrauch in einem buddhistischen Tempel bei Yokohama bestimmt und lässt sich auf 1781 datieren.

Weitere Signaturen finden sich an ostasiatischen Exponaten aus dem 20. Jh. Jene modernen, in großen Fabriken und Werkstätten gefertigten Musikinstrumente stammen aus den chinesischen Instrumentenbau-Metropolen Peking, Su-Zhou und dem kantonesischen Guangzhou. Die vietnamesischen Klanggeräte, meist Delegationsgeschenke aus DDR-Zeiten, kommen aus Hanoi.
Bei den übrigen Exponaten helfen z.B. Vergleichsstücke aus anderen Sammlungen, um deren Alter und Herkunft zu ermitteln. Das zweifellos früheste Exponat ist demnach eine Doppel-Gefäßflöte (Inv.-Nr. 2542) als Bodenfund aus Peru, wohl Moche-Kultur, 200-600 u. Z. Instrumente ähnlicher Bauart sind in großen Mengen in der Region von Peru ausgegraben worden und heute in vielen Völkerkunde-Museen präsent (vgl. Samuel Marti, Alt-Amerika, Musik der Indianer in präkolumbianischer Zeit, Leipzig 1970, S. 110 ff.). Genau genommen handelt es sich um eine Art Pfeifgefäß, das anders als die meisten Flöten und Pfeifen nicht durch menschlichen Atem angeblasen wird: Füllt man Wasser in die linke Kammer, gelangt es über einen Verbindungskanal auch in das rechte Behältnis. Ein leichtes Ankippen des Gefäßes genügt, und es entweicht komprimierte Luft über eine im Innern (rechts oben) angebrachte Pfeife.
Wie auf den beiden Fotos zu sehen, hat das Leipziger Exponat während des II. Weltkrieges Schaden genommen; es fehlen Henkel und Teile des Pfeif-Kopfes.

Gefäßflöte aus Peru (Inv.-Nr. 2542), historisches Foto ( Aus: Alessandro Kraus (figlio): Catalogo della collezione etnografico-musicale Kraus in Firenze. Sezione istrumenti musicali, Firenze 1901)  und Jetzt-Zustand nach Kriegsschaden
Gefäßflöte aus Peru (Inv.-Nr. 2542), historisches Foto ( Aus: Alessandro Kraus (figlio): Catalogo della collezione etnografico-musicale Kraus in Firenze. Sezione istrumenti musicali, Firenze 1901)  und Jetzt-Zustand nach Kriegsschadenzoom
Gefäßflöte aus Peru (Inv.-Nr. 2542), historisches Foto ( Aus: Alessandro Kraus (figlio): Catalogo della collezione etnografico-musicale Kraus in Firenze. Sezione istrumenti musicali, Firenze 1901) und Jetzt-Zustand nach Kriegsschaden
 

Ein hohes Alter lässt sich z.B. auch bei einer chinesischen oder japanischen Zither außergewöhnlicher Form (Inv.-Nr. 2376) vermuten. Bereits 1913 bezeichnete Curt Sachs das damals in der Sammlung Kraus befindliche Exemplar als „uraltes, heute unübliches Instrument“ (Reallexikon der Musikinstrumente, Berlin 1913; Nachdruck Hildesheim/New York 1979, S. 201 „Kaku-goto“). Neben den starken Abnutzungsspuren spricht für diese Annahme der Umstand, dass bisher keine Vergleichsstücke gefunden werden konnten. Nachfragen in den Musikinstrumentenmuseen von Shanghai und Tokio – für die Vermittlung danken wir Frau Yu Filipiak – bestätigten die Vermutung, dass es sich um ein seltenes, vielleicht unikates Exponat handelt, das wahrscheinlich in China gebaut worden ist. Die 25-saitige Wölbbrettzither enthält in der Zarge verschiedene Schnitzereien (Blumen, Instrumente Pipa und Sheng, Figuren) sowie Reste von Goldlack. Ihre sorgfältige und kunstvolle Verarbeitung deutet auf einen Gebrauch in Kreisen von Adel oder Aristokratie.

Von der einzigen Apachenfiedel des Leipziger Museums (Inv.-Nr. 2529) ist bekannt, dass sie spätestens 1901 in der Sammlung Kraus vorhanden gewesen sein muss. Sie wird somit spätestens um 1900, vielleicht Ende 19. Jahrhundert, gefertigt worden sein. Recherchen durch Rudolf Conrad (siehe oben, Literaturangaben) ergaben, dass es sich tatsächlich um eines der ältesten Exemplare dieser Art überhaupt handelt. Solche indianischen Röhrenzithern lassen sich erst seit dem ausgehenden 19.Jahrhundert schlüssig nachweisen. Man fertigte sie meist aus dem Fruchtstängel der Agave. Ein kleiner halbrunder Bogen mit Pferdehaar-Bezug streicht eine einzelne über zwei Stege geführte Pferdehaar-Saite.

Apachenfiedel (Inv.-Nr. 2529)zoom
Apachenfiedel (Inv.-Nr. 2529)