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Angekauft vom Förderkreis: Gitarre von 1807 (Inv.-Nr. 5003)

Freundeskreis aktuell

Siegfried-Idyll auf der Phonola bei Blüthner

Als erstes gemeinsames Projekt zwischen der Richard-Wagner-Stiftung und dem Förderkreis Musikinstrumentenmuseum erschien im Februar die CD „…da hörte ich meinen Tannhäuser auf einem Leierkasten“ mit Wagners Werken auf mechanischen Instrumenten. Grund genug, einen Ausschnitt daraus live in Form eines Gesprächskonzertes zu präsentieren. Die in Leipzig (Firma Ludwig Hupfeld in Böhlitz-Ehrenberg) entwickelte Phonola, ein Klavierspiel-Apparat, klingt immer nur so gut wie das daran angeschlossene Klavier. Was lag daher näher, als die Phonola an einem modernen Blüthner-Flügel direkt in der renommierten Klavierbau-Firma spielen zu lassen?

Berhard Heisig an seiner Phonolazoom
 

Mit einem Auto-Konvoi ging es am 8. Juni nachmittags nach Störmthal in die Firma Jul. Blüthner. Unter der Führung von Geschäftsführer Knut Blüthner persönlich durften die ca. 50 Teilnehmer zunächst alle Räume der Klavierfabrikation besichtigen.

Danach hatte Blüthner in den attraktiven Schau- und Verkaufsräumen einen extra gestimmten Flügel zur Verfügung gestellt und für eine Bestuhlung gesorgt. Dafür sei ihm herzlich gedankt! Bei geöffneten Flügeltüren und lauer Sommerluft konnte das nun folgende Konzert besonders genossen werden.

Wolfgang Heisig aus Döbeln spielte an seiner Phonola Notenrollen ab, die während des gesamten 20. Jh. gefertigt wurden. Auch das Siegfried-Idyll erklang in voller Länge - so wie auf besagter CD. Zwischen den Klavierstücken mussten die viele Meter langen gelochten Papierstreifen jeweils zurückgerollt werden. In diesen Pausen bot Birgit Heise, Kustodin am Musikinstrumentenmuseum, Erklärungen zum Instrument und zu den jeweiligen Stücken.

Zu Gehör kamen neben „Klassikern“ von Händel und Schostakowitsch auch Werke, die per Hand gar nicht mehr dargeboten werden könnten, sondern nur auf der Phonola funktionieren. Werke vom amerikanischen Komponisten Conlon Nancarrow etwa oder vom Phonola-Interpreten Wolfgang Heisig selbst sind so atemberaubend schnell und vollgriffig, dass sie teilweise eher ein Rauschen ergeben. An diesen Stellen wuchs die Phonola über ihre Rolle als Speichermedium für herkömmliche Klavierwerke hinaus.

Übrigens ist die Bedienung des Apparates nicht ganz einfach: Bei einem Vorsetzer der Marke Phonola ist das Abspielen einer Notenrolle mit Übung, Körperkraft und künstlerischer Erfahrung verbunden. Der Kasten mit hölzernen, befilzten Spielfingern wird vor ein Klavier geschoben und justiert. Dann muss die ganze Zeit getreten werden: einerseits zum Abrollen des gelochten Papierstreifens und andererseits zum Bedienen der vielen großen und kleinen Saugbälge. Durch „gefühlvolles Treten“, aber auch das Bedienen der Knöpfe und Schieberegler für Pedal und Dynamik lässt sich das Klavierspiel stark beeinflussen und individuell gestalten. Wolfgang Heisig jedenfalls musste für den Auftritt mächtig üben.

Zwischen 1900 und 1930 stand die Phonola in zahlreichen Haushalten. Als gegen Ende des 19. Jh. das amerikanische Pianola mit pneumatischer Tonsteuerung und einer bis zu 15 Minuten lang spielenden gelochten Papierrolle den Markt eroberte, fühlten sich auch mehrere deutsche Klavierbauer herausgefordert. Ludwig Hupfeld präsentierte 1901 die ähnlich funktionierende Phonola, eine Erfindung des Leipziger Instrumentenbauers Robert Frömsdorf.

Stand: Juni 2017