Polyphon
Firmenname:
1895-1918 Polyphon Musikwerke AG                                                                 
1918-1930 Polyphonwerke AG
Produkte:
Stimmenkamm-Musikwerke
 
Polyphon Schatullen
 

Nach Übernahme der Firma →Brachhausen & Rießner produzierte man deren bewährte Automaten weiter. Von Anbeginn baute man Schatullen mit gelochten Metallplatten in mehreren Varianten. Von ihrer Funktionsweise und dem Aufbau her ähnelten diese Instrumentente so sehr denen von →Symphonion, dass es zu Streitigkeiten zwischen den Unternehmen kam. In beiden Fällen werden die Kammzungen durch Sternenrädchen angerissen und über eine unten genoppte Lochplatte gesteuert. Die Bewegung erfolgte über ein Federwerk.

Noch 1926 bestand die „Fabrikation von Stimmkamm-Schatullen“ (de Wit 1926).

  

 Bild: Inserat aus ZfI 13/1892 S. 80

 

                 

  Bild: aus dem Katalog HOLZWEISSIG 1892 S.5 

Polyphon-Modelle, Schatullen:
  • Nr. 28: 30 Zungen, Plattendurchmesser 16,5 cm; Nr. 28S mit Hebelaufzug; Nr. 28SG mit 4 Glocken, Schatulle
  • Nr. 29: 30 Zungen, Plattendurchmesser 20,7 cm, Federwerk, 4 Glocken, Schatulle
  • Nr. 30: 30 Zungen, Plattendurchmesser 16,5 cm, Kurbel (für Kinder), Schatulle
  • Nr. 35: 30 Zungen, Plattendurchmesser 16,5 cm, Federwerk, Schatulle
  • Nr. 36: 30 Zungen, Plattendurchmesser 16,5 cm, Federwerk, Schatulle
  • Nr. 40: 41 Zungen, Plattendurchmesser 20,7 cm, Kurbel, Schatulle
  • Nr. 41: 41 Zungen, Plattendurchmesser 20,7 cm, Federwerk; Nr. 41G mit 4 Glocken; Nr. 41R im besonders verzierten Kasten, Schatulle
  • Nr. 42: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm, Federwerk; Nr. 42D mit 108 Zungen „Duplex“; Nr. 42R im besonders verzierten Kasten, Nr. 42CG mit 12 Glocken, Schatulle
  • Nr. 43: 77 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm, Federwerk, Schatulle; Nr. 43D mit 154 Zungen „Duplex“; Nr. 43N mit Spiralfeder; Nr. 43BG mit 12 Glocken bei 45 cm Plattendurchmesser
  • Nr. 44: Plattendurchmesser 39,8 cm; Nr. 44D mit 154 Zungen „Duplex“, Schatulle
  • Nr. 45: 154 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm, Doppelkamm „Sublime harmonie piccolo“, Schatulle
  • Nr. 46: 46 Zungen, Plattendurchmesser 24,3 cm; Nr. 46G mit 8 Glocken, Federwerk, Schatulle
  • Nr. 47C: 118 Zungen, Plattendurchmesser 50 cm
  • Nr. 48: 112 Zungen, 12 Glocken, Plattendurchmesser 36 cm, Federwerk, Schatulle (früheres Modell: 78 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm)
  • Nr. 49: 156 oder 152 oder 154 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm; Nr. 49C mit 118 Zungen und 16 Glocken, Plattendurchmesser 56 cm
  • Nr. 2041: 41 Zungen, Plattendurchmesser 20,7 cm; Nr. 2041G mit 6 Glocken, Schatulle
  • Nr. 2042: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm; Nr. 2042D mit 108 Zungen „Duplex“, Schatulle
  • Nr. 2043: 77 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm; Nr. 2043D mit 154 Zungen „Duplex“, Federwerk, Schatulle
  • Nr. 2046: 46 Zungen, Plattendurchmesser 24,3 cm, Schatulle
Stimmenkamm-Musikwerke
 
Polyphon Wand- und Standautomat
 
  • Nr. 1 (1N): 1898 funktionierte Polyphon Nr. 54 (siehe dort) mit selbsttätigem Notenscheibenwechsel und wurde umbenannt in Polyphon Nr. 1 (ZfI 18/1898 S. 439 und 468), Standautomat.
  • Nr. 2: Plattendurchmesser 56 cm
  • Nr. 3: Plattendurchmesser 56 cm
  • Nr. 4: Plattendurchmesser 50 cm
  • Nr. 5: 118 Zungen und 16 Glocken, Plattendurchmesser 56 cm
  • Nr. 6: 118 Zungen und 16 Glocken, Plattendurchmesser 56 cm; Nr. 6K mit Klangplatten, Nr. 6G mit Schallenglocken, Nr. 6U mit Uhr
  • Nr. 50: 156 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm
  • Nr. 51: 156, 154 oder 152 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm, auch mit automatischem Plattenwechsel
  • Nr. 52: 156, 154 oder 152 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm
  • Nr. 53: 156, 154 oder 152 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm
  • Nr. 54: Zur Herbstmesse 1895 präsentiert als größter aller bis jetzt existierenden Automaten mit einer Notenscheibe, 161 Zungen (64 Töne), Plattendurchmesser 62,5 cm. Nach Aufziehen des Uhrwerkes ergab sich eine Spieldauer von 45 Minuten, die einzelne Notenscheibe dauerte zwei Minuten (ZfI 15/1895, S.881)
  • Nr. 55: 156, 154 oder 152 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm
  • Nr. 57: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm, Standautomat
  • Nr. 59C: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm; Mit Zigaretten- oder Schokoladenautomaten, Standautomat
  • Nr. 60: 156 oder 152 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm, Standautomat
  • Nr. 61: 156 oder 152 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm, Standautomat mit Uhr, 330 Mark; Nr. 61 A mit 156 Tönen und Geldeinwurf (Katalog Holzweissig 1898 S. 97)
  • Nr. 62: 156 oder 152 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm, Standautomat mit Uhr
  • Nr. 63: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm, Standautomat mit Pendeluhr
  • Nr. 64: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm, auch mit 108 Zungen, Standautomat mit Pendeluhr, 178 Mark (Katalog Holzweissig 1898 S. 97)
  • Nr. 65: 78 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm, Federwerk, Wandautomat
  • Nr. 71: Plattendurchmesser 20,7 cm
  • Nr. 72: 46 Zungen, Plattendurchmesser 24,3 cm
  • Nr. 73: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm (Nr. 73G mit Glocken, Plattendurchmesser 36 cm)
  • Nr. 100: 54 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm
  • Nr. 100 „Savoyard“: 108 Zungen, Plattendurchmesser 28,1 cm oder 39,8 cm; mit Terrakotta-Figur mit beweglichem Arm, Standautomat
  • Nr. 103: 78 Zungen, Plattendurchmesser 39,8 cm (103U mit Ihr, 103 P mit Warenautomat)
  • Nr. 104: 1898 neu präsentiert; mit elektrischem Kraftmesser oder Diorama (ZfI 18/1898 S. 468); 118 Zungen, Plattendurchmesser 50 cm (Nr. 104U mit Uhr)
  • Nr. 105: 1898 neu präsentiert; mit Diorama und Stereoskop (ZfI 18/1898 S. 468), 159 Zungen, Plattendurchmesser 62,5 cm; Nr. 105U mit Uhr, Nr. 105S mit Unterschrank
  • Nr. 105 „Grammo-Polyphon“: Zur Herbstmesse 1902 präsentiert; ein und dasselbe Triebwerk setzt wahlweise das Grammophon oder das Stimmenkamm-Musikwerk in Gang (ZfI 22/1902, S.983).
  • Nr. 118: Plattendurchmesser 50 cm

   

  Bild: aus dem Katalog HOLZWEISSIG 1892 S.6

Polyphon-Uhren: 1895 wurden zur Ausstellung in Lübeck viele verschiedene Polyphon-Modelle in allen Größen gezeigt, „darunter Salon – und Standuhren mit selbsttätigen Musikwerken …, deren Voll- und Wohlklang eine außerordentlich hübsche Wirkung erzielt“ (ZfI 15/1895, S.818).

  

Bild: aus dem Katalog HOLZWEISSIG 1898 S.97

 

Klavier-Orchestrions
 
Polyphon-Orchestrion
 
 

Polyphon-Orchestrion Nr. 1: Unter der Bezeichnung „Polyphon-Orchestrion Nr. 1“ bot man 1906 einen Automaten mit dreichörigem Saitenbezug, 73-tönig, mit Notenrollen und Gewichtsaufzug, auf Wunsch mit Schlagzeug:

  

Bild: aus dem Katalog HolzweiSSig 1906/7 S. 13 und 14

  Polyphon-Orchestrion Nr. 2: Gemäß einem Messebericht von 1907 (ZfI 27/1907 S. 522) war das Instrument mit und ohne Schlagzeug lieferbar und hatte eine abstellbare Mandolinenspiel-Einrichtung durch besondere Hämmer. Eine Abbildung findet sich im Katalog HOLZWEISSIG von 1906/07 S. 21.   

  Polyphon-Orchestrion Nr. 3: 44 Klaviertöne, wahlweise mit 2 Trommeln und Becken (Bowers S. 166)

Polyphon-Orchestrion Nr. 10: 1907 wurde es zur Ostermesse neu präsentiert (ZfI 27/1907, S.521). Laut Messe-Bericht besaß das Instrument folgende Merkmale: Es sei ein dreichöriges Saiteninstrument „mit schnell schwingenden (vibrierenden) Hämmern, komplettem Schlagzeug (großer und kleiner Trommel, chinesischem Becken) und 10 Klangröhren, das sich durch einen starken, wohlklingenden Klavierton auszeichnet. Ist dieses Instrument in Bezug auf Anordnung der Töne, sowohl wie durch das Einstellen der Musikstücke mit einem Walzen-Orchestrion zu vergleichen, so bietet es diesem Gegenüber folgende Vortheile: Durch Herstellung der Noten aus einem wachstuchartigen [Material], das außerordentlich haltbar und keinen Temperatur-Einflüssen unterworfen ist, wird ermöglicht, die meisten Musikstücke unverkürzt zum Vortrage zu bringen und für dasselbe Geld, das eine Walze kostet, beinahe die doppelte Anzahl von Musikstücken von wesentlich längerer Spielzeit zu liefern“. 43 Klaviertöne (Bowers S. 167) 

Klavier-Orchestrions
 
Polyphon Rossini
 
 

 Ab 1904 wurden auch Notenrollen gesteuerte Instrumente verkauft; so bot man zur Ostermesse erstmals das „Rossini-Piano-Orchestrion“ mit oder ohne Schlagzeug mit  Tonerzeugung nach dem „Racca’schem Prinzip der vibrierenden Hämmer“ (ZfI 24/1904, S.477). 1905 präsentierte man ein verbessertes Modell, mit Gewichtsaufzug und „… während die Spieldauer bisher nur für zwei Musikstücke ausreichte, spielt das … Instrument jetzt reichlich drei komplette Musikstücke nach vollem Aufzuge. Die Noten, aus fester Lederpappe, wickeln sich beim Spielen von der einen Rolle auf die andere… Das Zurückrollen der Noten geschieht automatisch während des Aufziehens“ (ZfI 25/1905 S. 479)

Bild: Inserat aus ZfI 25/1905 S. 875

 

Klavier-Orchestrions
 
Polyphon Concerto
 

Polyphon Concerto I: 1901 präsentierte man zur Ostermesse erstmals ein Piano-Orchestrion mit Federaufzug und Lochplatten (Stahlnotenscheiben) (ZfI 21/1901, S.389), Plattendurchmesser 80 cm

Polyphon Concerto II: ab 1902 lieferte man das Polyphon-Concerto Nr. 2 (ZfI 23/1903 S. 483) mit 65 Klaviertönen, 10 Glocken, Becken, 2 Trommeln, Lochplatten (Plattendurchmesser 71 cm). Mit Spiralfeder für 10 Minuten Spieldauer.  

Nr. 200/ 200S: Orchestrion mit 44 Klaviertönen (88 Saiten), 12 Röhrenglocken, Mandolineneffekt, Plattendurchmesser 63 cm (Nr. 200S mit großer und kleiner Trommel sowie Becken)

 

Klaviere und Vorsetzer
 
Polyphona
 
 

Elektrisch-pneumatische Klaviere dieser Firma erhielten die Bezeichnung Polyphona. Der Beginn der Produktion ist noch etwas unklar, war wohl um 1907. Auch 1912 bezeichnete sich die Firma als „Fabrik elektrischer Klaviere Polyphona“ (de Wit 1912).

Polyphona II: 1909 offerierte man die Polyphona II, ein elektrisches Klavier mit Mandolinen- und Lichteffekt (ZfI 29/1909 S. 1274 und 1313).

Bild: Inserat aus ZfI 30/1909 S. 13

 

Klaviere und Vorsetzer
 
Klavier-Harmonium
 

1908 präsentierte man als Neuheit ein elektrisches Harmonium-Klavier, das das Zusammen- oder Einzelspiel von Harmonium und Klavier, elektrisch oder von Hand ermöglichte (Inserat ZfI 29/1908 S. 13). 1910 zur Frühjahrsmesse wurde das Instrument besonders für Kinos empfohlen (ZfI 30/1910, S.533). Der Spieler habe die Möglichkeit, zwischen Harmonium und Klavier zu wechseln bzw. wahlweise selbst zu spielen oder die Notenrolle laufen zu lassen.

 

Streichinstrumente
 
Pentaphon
 

Streichzithern

 

Pentaphon: Ein im Leipziger Museum für Musikinstrumente vorhandenes „Pentaphon“ funktionierte mit einem per Fußtritt rotierenden Band aus Baumwolle. Bei dieser Streichzither ließ sich das über fünf Rollen laufende Band mit Tastenhebeln gegen die gewünschten Saiten drücken. Das Abgreifen der Saiten erfolgte wie bei der herkömmlichen Zither mit der Hand; es handelte sich also um eine Art „halbautomatisches“ Instrument, das weiterhin Noten- und Spielkenntnisse erforderte. Hergestellt wurde das Pentaphon in dieser Firma nach den Ideen des Berliner Musikers Henry Müller-Braunau. Es fand nur wenig Verbreitung, auch wenn es in der Zeitschrift für Instrumentenbau wohlwollend hieß: „Herr Müller-Braunau...führt seinen Bogen mit ebensoviel Ausdruck und Geschmeidigkeit an die Saiten wie der routinierteste Geigenkünstler“ (ZfI 21/1901 S. 438).

Bild: Inserat aus ZfI 21/1901 S. 865: mit Pentaphon rechts unten

Streichmusikwerk: Basierend auf diesen Ideen konstruierte man bei POLYPHON gleichzeitig eine „vollautomatische“ Streichzither, das  Polyphon-Streichmusikwerk mit Notenscheibe. 1900 führte man diese Neuheit, „die inzwischen vervollkommnete Erfindung des Herrn Henry Müller-Braunau“, der Öffentlichkeit vor: „War auch dessen [Müller-Braunaus, d.V.] Idee ausgezeichnet, so scheiterte sie an der sehr schwierigen Erlernung der Pedalgeige; setzte diese doch fast ebensoviel Mühe, Fleiß und Talent voraus, wie das Studium der Violine. Nichts lag daher näher als der Versuch, auf mechanischem Wege dem Notenblatte jene Funktionen zu überweisen, die der Finger erst nach langer Übung vollbringen kann“. Weiterhin wurde berichtet, dass sich dieses Instrument in einem Gehäuse ähnlich dem eines mittelgroßen Orchestrions mit Geldeinwurf und elektrischem Antrieb befindet. Eine große Metallplatte mit langen und kurzen Ausbuchtungen führt durch ein Hebelwerk die Saiten an ein Stahlband, das sich automatisch mit Kolophonium versieht (ZfI 20/1900 S. 471 und 1033).  Doch auch diese Neuerung verkaufte sich nicht lange. Einer Zeitungsnotiz zufolge wurde es 1902 und 1903 gut veräußert, dann erheblich weniger (ZfI 25/1905 S. 621).