Das Museum
Laute Târ aus Isfahan (Inv.-Nr. 2212)zoom
Laute Târ aus Isfahan (Inv.-Nr. 2212)

Onlinekatalog der außereuropäischen Musikinstrumente des Museums

Kunsthandwerklich herrausragende Exponate

Viele Exponate bestechen durch ihre kunsthandwerkliche Qualität bzw. reiche Dekoration. Von auffallender Schönheit zeigt sich z.B. die über und über mit feinsten Mosaikarbeiten bedeckte persische Laute Târ, 1898 in Isfahan für repräsentative Zwecke am Hof gefertigt (Inv.-Nr. 2212; Bild linke Seitenspalte). Eine kalligraphische Inschrift verrät den Namen des Erbauers, eines Christen namens Khâchik. Dazu konnte der iranische Târ -Virtuose Jamal Samavati ermitteln, dass ein Armenier namens Khâchik als königlicher Kunsttischler am Hof in Esfahân angestellt war. Sein Sohn ‘Yahya’ Hovanes Abkarian erlangte als Târ-Bauer größte Berühmtheit. Die auf der gesamten Rückseite aufgebrachte Mosaikarbeit aus kleinsten Teilen Kamelknochen, Elfenbein, Messing und unterschiedlichen Hölzern war ausnehmend aufwändig und repräsentiert den Gipfelpunkt dieser traditionellen persischen Handwerkertechnik.

Musikinstrumente aus Japan und China zeichnen sich dagegen oftmals durch kostbare Lackarbeiten aus. So wurde der sanduhrförmige Korpus der Trommeln vom Typ Tsuzumi häufig mit dunklem Lack grundiert, auf welchen mit anderem Lack ein Dekor gezeichnet und mit pulverisiertem Metall farblich abgehoben wird (makie-Technik). Die hier abgebildete Trommel Ôtsuzumi (Inv.-Nr. 2431) zeigt goldfarbene Blüten und Blätter der japanischen Kirsche.

Trommel Ôtsuzumi (Inv.-Nr. 2431)zoom
 

Einen goldfarbenen Untergrund auf einer Schicht Kreide weist dagegen die auf einem ebenfalls lackierten Ständer ruhende Trommel Kakko (Inv.-Nr. 2432) auf. Das mit mehrfarbigen Wolken prächtig dekorierte Instrument gehörte zum höfischen Ensemble gagaku und wird beidseitig angeschlagen.

Schließlich sei hier die Zither Koto (Inv.-Nr. 2358) im besonders kleinen Format hervorgehoben, die ebenfalls reich mit den für diesen Typ üblichen Lackarbeiten versehen ist. Winzige figürliche Malereien zeigen unter anderem Musikanten mit den japanischen Instrumenten Mundorgel und Laute.

Von exzellenter Qualität sind auch die Schnitzereien und Gravuren mehrerer Exponate. Ein hölzerner Fisch, sehr fein ausgestochen und mit roter und goldener Fassung versehen, diente beim täglichen Gebet als Tempelblock zum rhythmischen Anschlagen. (Inv.-Nr. 2458).

 
 

Auch der außergewöhnlich langgestreckte Wirbelkasten der Thailändischen Laute Krajappi (Inv.-Nr. 2333) lässt sorgfältige Schnitzarbeiten erkennen

An den Elfenbein-Enden einer chinesischen Querflöte (Inv.-Nr. 4994) finden sich kunstvolle Gravuren von Lotosblumen, Bambus, Wolken sowie zwei älteren Männern, ebenfalls Arbeiten eines geübten Meisters.

 
 

Hof-Instrumente aus Okinawa: Ein Ensemble von größtem Wert

Herausragende Bedeutung kommt außerdem einer Gruppe von fünf Instrumenten zu, die von der Insel Okinawa (bis 1609 „Ryukyu“) stammen und hier offensichtlich zum königlichen Hoforchester gehörten. Darauf deuten die hochwertigen, roten und goldenen Lackarbeiten mit kaiserlichen Motiven wie Drache und Phönix hin. Stilisierte Blumen, „Glücksvögel“, buddhistische Symbole und Schmetterlinge galten als Sinnbilder für ein hohes Lebensalter. Die Decke der Streichzither wurde vergoldet und erhielt feinste Wolkenornamente, welche ebenfalls die erhabene Macht des Herrschers andeuten sollen.
Im Zusammenhang mit dem Niedergang der Okinawa-Kultur infolge der Besetzung durch die japanische Regierung im Jahre 1879 gelangten zahlreiche Gegenstände aus Okinawa in europäische Museen und Sammlungen. Auch die nunmehr als rückständig geltenden Musikinstrumente standen zum Verkauf. Ein Vergleich mit anderen Institutionen (Kreiner, Josef (Hrsg.): Sources of Ryūkyūan History and Culture in European Collections, Monographien aus dem Deutschen Institut für Japanstudien der Philipp-Franz-von-Siebold-Stiftung, Band 13, München: Iudicium-Verlag, 1996) offenbart den hohen Stellenwert dieser Instrumentengruppe: Keine andere Sammlung enthält so viele und zugleich so außergewöhnlich schöne Instrumente aus dem alten Ryukyu wie das Leipziger Museum. Traditionell spielte man solche Instrumente zur höfischen Kammermusik Uzagaku.