
„Alles ist Zahl und Harmonie.“ Mit diesem Pythagoras-Zitat begann Klaus Gernhardt einst einen seiner Beiträge über historische Stimmungen. Indem wir nun traurig Abschied von Klaus Gernhardt nehmen, der am 8. Dezember verstorben ist, klingt in diesem Zitat in übertragenem Sinn an, was wir von ihm als Kollegen und Menschen erfahren und lernen durften: die Suche nach dem Objektiven und der Respekt vor dem Gegebenen wie auch der Wunsch nach dem Erleben und dem Streben um Vereinbarung – alles Komponenten, die gerade beim verantwortungsvollen Umgang mit historischen Musikinstrumenten und deren Restaurierung und Erforschung immerwährend aufeinandertreffen.
Klaus Gernhardt erlernte in Leipzig den Beruf des Orgelbauers, bevor er 1961 ans Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig kam, wo er von 1973 bis 2001 die Restaurierungswerkstätten leitete. Als 1968 bekannt wurde, dass die Paulinerkirche auf Veranlassung der DDR-Führung gesprengt werden sollte, setzte er sich für die Bergung der historischen Orgeln ein, so dass es gelang, wenigstens die kleinere Jahn-Orgel (um 1900) zu retten, die noch heute in der Peterskirche zum Einsatz kommt.
Im Musikinstrumentenmuseum widmete er sich mit Hingabe dem reichen Orgelbestand sowie anderen Tasteninstrumenten. Als Leiter der Restaurierungswerkstätten koordinierte er darüber hinaus die Arbeit von bis zu vier Mitarbeitern und entwickelte im Team Konzepte für unzählige, herausragende Restaurierungsprojekte (etwa für die Nürnberger Cuntz-Orgel von 1610 oder den weltweit ältesten original erhaltenen Hammerflügel von Bartolomeo Cristofori, Florenz 1726)
Stets um die Professionalisierung seines Berufsstandes bemüht, suchte Klaus Gernhardt die Vernetzung mit zahlreichen Berufskollegen, auch in Westdeutschland. Gernhardts Verständnis davon, was Restaurierung mit welchen Methoden leisten kann und darf, war immer mit hohem Respekt vor der Substanz und Geschichte des Objekts verbunden. Seine verantwortungsvolle „Ethik der Restaurierung“ gab Gernhardt in Diskussionen, auf Tagungen und in Publikationen weiter. Zugleich engagierte er sich in der Ausbildung von Restauratoren. Seit 1966 betreute er den Nachwuchs in den museumseigenen Werkstätten im Rahmen des Ausbildungsprogramms für Musikinstrumentenrestauratoren an der Universität Leipzig. Ihm ist es auch zu verdanken, dass später die in Berlin angesiedelte Fachschulausbildung von Restauratoren in der DDR eine Spezialisierungsrichtung für sein Fachgebiet erhielt. Von 1976 bis 1994 war er Leiter der eigens eingerichteten Konsultationsstelle für Musikinstrumenten-Restauratoren und übernahm zahlreiche Lehraufträge. Zwischen 1995 und 2005 unterrichtete Gernhardt Studierende der Hochschule für Musik und Theater Leipzig in den Fächern Orgelkunde, Stimmungen und Akustik.
Für die Reihe von Bestandskatalogen des Museums, die weltweit beachtet und fachmethodisch prägend war, banden ihn Prof. Dr. Winfried Schrammek und Dr. Hubert Henkel in die Erforschung und Beschreibung der Orgeln und Harmoniums des Museums ein (Sammlungskatalog „Orgeln und Harmoniums“, publiziert 1983). Es folgten zahlreiche weitere Publikationen zu Fragen des historischen Musikinstrumentenbaus, der Restaurierung und zur Praxis historischer Stimmungen.
Als Experte für den Orgelbau und speziell für historische Orgeln in Mitteldeutschland blieb Klaus Gernhardt bis ins hohe Alter als Sachverständiger gefragt und war an zahlreichen Restaurierungsprojekten konzeptionell und beratend beteiligt. Viele davon tragen seine Handschrift. Als wichtige Beispiele seien – stellvertretend für viele weitere – die große Trostorgel im Schloss Altenburg (1974) oder die älteste Orgel Sachsens in Pomßen (2006) genannt.
Klaus Gernhardts immenser, abwägend und uneitel vorgetragener Sachverstand verband sich mit einer warmen fürsorglichen Herzlichkeit. In seinem Umfeld herrschte stets eine freundschaftliche, zugewandte Atmosphäre; er konnte zwischen unterschiedlichen Ansichten vermitteln und sie zu einem gemeinsamen Ziel führen: Zahl und Harmonie.
Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig und Förderkreis

Am 1. September 2025 führte die Exkursion des Förderkreises nach Denstedt und Erfurt. An der wunderschönen Orgel der thüringischen Orgelbaufirma Gebr. Peternell in Denstedt hat schon Franz Liszt gespielt und mindestens zwei Privatkonzerte gegeben. Auch wir bekamen ein Privatkonzert, von Luca Posavec. Unser Reiseleiter Michael Märker gab viele spannende Hintergrundinformationen. Ein Höhepunkt der Exkursion war eine sehr informative Führung durch das Erfurter Augustiner-Kloster durch Irene Gather.
Ausführlicher Reisebericht

Mit großer Freude nimmt Museumsdirektor Stefan Hindtsche die Spende eines großzügigen Förderers entgegen. Walter Behrendt aus Kandel bei Karlsruhe hatte dem Museum bereits im Jahre 2013 mehrere Kostbarkeiten aus seiner Privatsammlung übereignet: Verschiedene Musikautomaten aus Leipziger Produktion, gebaut um 1895. Auch diese Spende ergänzt den Bestand auf wunderbare Weise: Es handelt sich um ein Unikat aus der Firma Sirion Mechanische Musikwerke, einem Unternehmen aus dem Stadtteil Gohlis, das nur von 1894-97 bestand.
Der Überlieferung nach war es ein Auftragswerk für den Königshof von Dänemark. Diese nicht mehr zu beweisende Angabe ist durchaus glaubhaft, da die Spieluhr besonders prunkvoll aussieht und es kein zweites Stück dieser Art gibt. Äußerlich hebt sich das im Rokoko-Stil gestaltete Lochplatten-Spielwerk deutlich von den Musikautomaten der Gründerzeit ab: Das Gehäuse in Form einer Boule-Uhr besticht mit seinen gegossenen Messingapplikationen mit Feuervergoldung.
Zur Erklärung: Mechanische Musikinstrumente mit gelochter Platte aus Metall wurden 1885 in Leipzig von Paul Lochmann erfunden und hier in riesiger Stückzahl gebaut. Während heute noch viele Spielwerke der Marken Symphonion, Polyphon oder Kalliope im Umlauf sind, zählen Sirion-Instrumente zu den Raritäten. Das Besondere ist der Mechanismus: Nach einer Umdrehung verschiebt sich die Platte automatisch und spielt ein weiteres Stück. Es ist quasi eine besonders frühe Form der Jukebox!
Im Leipziger Musikinstrumentenmuseum stellt die Spieluhr
eine wertvolle Ergänzung des Bestandes dar, können doch auch jetzt schon in der
Dauerausstellung viele Leipziger Spielwerke bestaunt werden. Ein großes
Dankeschön an Walter Behrendt in Kandel!
Der Förderkreis war am 16. September 2022 Veranstalter des "Tages der chinesischen Musik" mit einer Ausstellungseröffnung, Konzert und Vortrag. Weitere Informationen finden Sie hier.


























Richard Siedhoff an der Kinoorgel im Grassimusum. Das Instrument wurde 1938 gebaut und steht heute im Musikinstrumentenmuseum der Universität. Sie ist die größte noch spielenden Kinoorgel Sachsens.
Mit Ihrer Spende an den Förderkreis des Museums unterstützen Sie den Erhalt dieses einzigartigen Instruments.
http://paypal.me/fkmimul

Nach fünf langen Jahren der Ideengestaltung, der Planung und des Ringens mit den verantwortlichen Behörden war es endlich soweit: Am 8. Oktober 2021 konnte der Förderkreis des Musikinstrumentenmuseums der Universität Leipzig eine Gedenktafel für das nach Blüthner bedeutendste Klavierbau-Unternehmen der Stadt Leipzig an der Nordseite der Grundschule am Addis-Abeba-Platz, dem früheren Standort der Firma Irmer, einweihen.
Nach der Firmengründung durch Johann Christian Gottlob Irmler im Jahr 1818 wurden Irmler-Klaviere hier von 1827 bis zur Total-Zerstörung durch die Bombenangriffe vom 4. Dezember 1943 (wenige Tage nach der Feier des 125jährigen Betriebsjubiläums) hergestellt und in alle Welt exportiert. Zu einem Wiederaufbau der Betriebsstätten nach dem Zweiten Weltkrieg kam es nicht mehr. Noch heute vertreibt Blüthner Instrumente unter der Qualitätsmarke Irmler.

Im Beisein zahlreicher Freunde des Musikinstrumentenmuseums und Angehöriger der Grundschule am Addis-Abeba-Platz erinnerte Dr. Birgit Heise im Namen des Vorstands des Förderkreises an die wechselvolle Geschichte der Firma Irmler. Grußworte sprachen der Leiter des Schulamts der Stadt Leipzig, Peter Hirschmann, und die Direktorin der Schule, Ivonne Töpel. Besonders dankbar sind wir der Schwiegertochter des letzten Firmeninhabers, Barbara Irmler (91) aus Bamberg, für ihre bewegenden, motivierenden Worte und nicht zuletzt für die Unterstützung des Projektes. Gerahmt wurde die Feierstunde von einem Chor aus Erstklässlern der Schule. Sie lenkten den Blick in die Zukunft und gaben der Hoffnung Ausdruck, dass auch die junge Generation einmal die reichen kulturellen Traditionen unseres Landes bewahren und lebendig halten möge. Michael Märker
